Kultur ist zwar nicht alles, aber ohne Kultur ist alles nichts.

Relevanz

Zurecht bekommen die Bereiche unseres Lebens, die als „systemrelevant“ gelten, im Moment viel Aufmerksamkeit.
Der Einsatz von medizinischem Personal, Betreuer*innen, Erzieher*innen, Sicherheitskräften und Dienstleistenden kann gar nicht genug gewürdigt werden. Was aber fast völlig vergessen wurde: Wir sind eine Kulturnation. Die deutsche Kulturlandschaft ist eine der reichhaltigsten und vielfältigsten der Welt und sie ist nicht nur kulturelle Bereicherung, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor: Seit Ende der 1980er Jahre hat sich die Kultur- und Kreativwirtschaft zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige der Weltwirtschaft entwickelt. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung in Deutschland betrug im Jahr 2018 100,5 Milliarden Euro. Der Anteil am BIP liegt damit bei 3%.


Damit übertrifft die Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachen Wertschöpfung inzwischen andere wichtige Branchen, wie die chemische Industrie, die Energieversorger und die Finanzdienstleister. Nur die Automobilindustrie erzielt, mit aktuell 166,7 Milliarden Euro, eine höhere Bruttowertschöpfung.


Bei den Arbeitsplätzen sieht es nicht anders aus: In der chemischen Industrie arbeiten ca. 340.000 Menschen, im Maschinenbau 1,08 Millionen, im Fahrzeugbau 1,1 Millionen und in der Kultur- und Kreativbranche fast 1,7 Millionen (inklusive der etwa 500.000 geringfügig Beschäftigten).


Bis heute glauben viele, dass Kulturveranstaltungen etwas für eine intellektuelle und monetäre Elite oder gar ein Nischenpublikum sind. Dazu ein paar Fakten: In der Saison 2017/18 haben 21,4 Millionen Menschen ein Fußballstadion der ersten, zweiten und dritten Liga besucht. Aber 34 Millionen Zuschauer waren im Theater oder in einem Sinfoniekonzert und die Museen hatten über 114 Millionen Besucher! 118 Millionen Zuschauer kauften Tickets in einem der über 1700 Kinos in diesem Land.


Deshalb stellen wir fest: Wir sind viele und wir sind systemrelevant.




Zahlen und Fakten

1. Künstlerinnen und Künstler bei der Künstlersozialkasse (KSK)

Im Jahr 2018 sind bei der KSK 188 951 (2019: 188 332) Künstlerinnen und Künstler versichert, davon:


  • 65 324 bildende Kunst
  • 53 341 Musik
  • 28 412 darstellende Kunst
  • 41 255 Wort (Autoren/Journalisten/Publizisten)

Durchschnittliches Jahreseinkommen der aktiv Versicherten: im Schnitt 17 852 Euro


  • 17 858 Euro bildende Kunst
  • 14 628 Euro Musik
  • 18 096 Euro darstellende Kunst
  • 21 842 Euro Wort

https://www.kuenstlersozialkasse.de/service/ksk-in-zahlen.html



2. Museen und Theater in Deutschland (Statistik)

Museen

In Deutschland gibt es 6741 Museen. Die meisten davon, 2958, sind Volkskunde- und Heimatkundemuseen. 1015 sind kulturgeschichtliche Museen. Dazu kommen 470 Ausstellungshäuser. 2018 wurden 114,4 Millionen Besuche in Museen gezählt.

https://de.statista.com/themen/2680/museen-und-ausstellungen/


Bildungs- und Vermittlungsarbeit an deutschen Museen im Jahr 2017:

1.437 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von über 20.000 an der Bildungs- und Vermittlungsarbeit Beteiligten waren hauptamtlich und ausschließlich tätig. Im Vergleichsjahr 2007 waren 991 hauptamtlich zuständige Mitarbeiter*innen gemeldet worden. Hauptamtliches Personal für die Bildungs- und Vermittlungsarbeit gab es vor allem in den historisch-archäologischen Einrichtungen (38,2 Prozent), in den Kunstmuseen (33,8 Prozent) und in den Naturkundemuseen (30,5 Prozent).

https://www.smb.museum/fileadmin/website/Institute/Institut_fuer_Museumsforschung/Publikationen/Materialien/mat72.pdf

https://www.preussischer-kulturbesitz.de/pressemitteilung/article/2018/12/14/pressemeldung-deutsche-museen-und-ausstellungshaeuser-in-2017-weiterhin-sehr-gut-besucht-gesamtbes.html?sword_list[]=ausstellungen&no_cache=1


Theater

Umsatz der Theater- und Konzertveranstalter in Deutschland:

2,22 Mrd. Euro

Anzahl der öffentlichen Theaterunternehmen in Deutschland:

142

Anzahl der Spielstätten:

807


Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zählte der Markt der darstellenden Künste zuletzt über 19 400 privatwirtschaftliche Unternehmen ohne den öffentlich subventionierten Theaterbetrieb. Dazu gehören selbständige Bühnenkünstlerinnen und -künstler (z.B. Schauspieler, Tänzer), Artistinnen und Artisten, Theaterensembles, Betreiber von Theatern, Varietés, Kleinkunstbühnen sowie die bühnentechnischen Betriebe einschließlich der Vorverkaufsstellen. Mehr als die Hälfte des Marktes machen alleine die selbstständigen Bühnenkünstler aus.


142 Theaterunternehmen werden in Deutschland öffentlich betrieben, weist der Deutsche Bühnenverein in seiner Statistik aus. Rund 20,1 Millionen Besucher schauten sich in der Spielzeit 2017/2018 eine der insgesamt rund 65 400 Veranstaltungen in den 807 Spielstätten der öffentlichen Theater an. Rund 5,1 Millionen Gäste besuchten davon ein Schauspiel, rund 3,8 Millionen eine Oper und 1,6 Millionen eine Ballett-Tanzaufführung. In den 199 privatbetriebenen Theatern fanden in der Spielzeit 2017/2018 rund 45.800 Veranstaltungen statt, die von rund 7,6 Millionen Besuchern angeschaut wurden. Zum 1. Januar 2018 waren insgesamt rund 40.100 Mitarbeiter fest in den öffentlichen Theatern beschäftigt. Rund 45 Prozent der Beschäftigten gehören zum künstlerischen Personal, davon rund 1.800 abhängig beschäftigte Schauspieler, 1.300 Tänzer und 1.200 Sänger. Die weiteren 55 Prozent verteilen sich auf die Abteilungen Technik, Werkstätten, Maske, Kostüm und die Verwaltung. Die Personalausgaben der Theaterunternehmen im Rechnungsjahr 2017 beliefen sich auf über 2,4 Milliarden Euro, die meisten Ausgaben gingen dabei an das künstlerisch darstellende Personal und die technischen Abteilungen.

https://de.statista.com/themen/1818/theater/


Theater und Sinfonieorchester

Inklusive der öffentlich getragenen Theater, Festspiele, der aufgeführten Privattheater, selbstständigen Sinfonieorchester und Rundfunkorchester 34,7 Millionen Menschen haben in der Spielzeit 2017/2018 Aufführungen deutscher Theater und Sinfonieorchester besucht. Beim fest angestellten Personal sind die Zahlen erneut leicht um ein Prozent gestiegen, von 44.361 auf 44.821 Mitarbeiter. Die Anzahl der nicht ständig Beschäftigten weist eine Steigerung um 2,5 Prozent von 31.703 auf 32.495 aus. Vor allem das nicht-künstlerische Personal (Management, Technik usw.) wurde aufgestockt.

Für 2017/2018 teilten 142 Staatstheater, Stadttheater und Landesbühnen sowie 128 Orchester (inklusive Theaterorchester), 199 Privattheater und 85 Festspiele ihre Einnahmen und Ausgaben, Personalangaben, Besucherzahlen und Veranstaltungen mit. Insgesamt gab es 65.356 Vorstellungen, im Vorjahr 65.794.

https://www.kulturmanagement.net/Themen/Theaterstatistik-2018-20179-Weitere-Hinwendung-zum-Rahmenprogramm,4050



3. Monitoring-Bericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2019 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Allgemein

Seit Ende der 1980er Jahre entwickelte sich die Kultur- und Kreativwirtschaft zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige der Weltwirtschaft. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung (Bruttowertschöpfung) in Deutschland betrug im Jahr 2018 100,5 Milliarden Euro (Anteil am BIP: 3,0 Prozent). Damit übertrifft die Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachen Wertschöpfung inzwischen andere wichtige Branchen wie die chemische Industrie, die Energieversorger oder aber die Finanzdienstleister. Nur die Automobilindustrie erzielt mit aktuell 166,7 Milliarden Euro eine deutlich höhere Bruttowertschöpfung.

Die Branche erzielte im Jahr 2018 eine Bruttowertschöpfung von schätzungsweise 100,5 Milliarden Euro (+ 2,9 Prozent gegenüber 2017) und einen Umsatz von 168,3 Milliarden Euro (+1,87 Prozent gegenüber 2017). Über 256.600 Unternehmen mit knapp 1,2 Millionen Kernerwerbstätigen sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Die Quote der Selbständigen ist mit 21,5 Prozent außergewöhnlich hoch.

In Deutschland sind im Jahr 2018 in der Kultur- und Kreativwirtschaft rund 1,2 Millionen Menschen kernerwerbstätig, davon über 256 600 als selbständige Freiberuflerinnen und Freiberufler oder gewerbliche Unternehmerinnen und Unternehmer sowie 938.411 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Berücksichtigt man auch die 500 888 geringfügig Beschäftigten und geringfügig Tätigen, sind sogar knapp 1,7 Millionen Erwerbstätige in der Kultur- und Kreativbranche aktiv. Damit ist die Gesamtbeschäftigtenzahl im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,9 Prozent gestiegen.

Gemäß der Definition der Wirtschaftsministerkonferenz setzt sich die Kultur- und Kreativwirtschaft aus insgesamt elf Teilmärkten zusammen. Die Musikwirtschaft, der Buchmarkt, der Kunstmarkt, die Filmwirtschaft, die Rundfunkwirtschaft, der Markt für darstellende Künste, die Designwirtschaft, der Architekturmarkt und der Pressemarkt bilden die Kulturwirtschaft. Beim Werbemarkt und der Software- und Games-Industrie handelt es sich um so genannte Kreativbranchen.

Über 29 Prozent der Wertschöpfung der Kultur- und Kreativwirtschaft im Jahr 2018 wurden in der Software- und Games-Industrie generiert (siehe Abbildung 2.3). In absoluten Zahlen ausgedrückt liegt die Wertschöpfung der Software- und Games-Industrie bei momentan 32,7 Milliarden Euro. In allen anderen Teilmärkten wird zum Teil deutlich weniger als die Hälfte der Bruttowertschöpfung der Software und Games-Industrie erwirtschaftet, wobei der Presse-markt, der Werbemarkt und die Designwirtschaft immerhin Wertschöpfungswerte von aktuell über zehn Milliarden Euro erzielen. Der Kunstmarkt erreicht, neben dem Bereich Sonstige, mit 1,3 Milliarden Euro die niedrigste Wertschöpfung in der gesamten Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland im Jahr 2018.


Bruttowertschöpfung 2018 in Milliarden:


  • Musikwirtschaft - 5,8
  • Buchmarkt - 5,3
  • Kunstmarkt - 1,3
  • Filmwirtschaft - 7,3
  • Rundfunkwirtschaft - 7,7
  • Markt für darstellende Künste - 7,5
  • Designwirtschaft - 10,5
  • Architekturmarkt - 7,5
  • Pressemarkt - 12,5
  • Werbemarkt - 12,2
  • Software-/Game-Industrie - 32,7
  • Sonstige - 1,2

Anmerkung: alle Zahlen wurden aus dem Monitoring-Bericht Kunst- und Kreativwirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie übernommen. Eventuelle Unstimmigkeiten in der Berechnung der Teilmärkte stammen ebenfalls von dort. Bis zum Redaktionsschluss dieser Seite hatten wir noch keine Antwort auf unsere Nachfrage dazu.


Arbeitsplätze

In der Kultur- und Kreativwirtschaft gab es im Jahr 2018 erneut mehr Kernerwerbstätige als in jeder Vergleichsbranche. Der Kultur- und Kreativwirtschaft am nächsten kamen dabei der Maschinen- und der Fahrzeugbau (Automobilindustrie und sonstiger Fahrzeugbau)


Branchenvergleich 2017:

Kultur- und Kreativbranche: 1,195 Millionen Beschäftigte, davon 938 400 fest angestellt
Fahrzeugbau: 1,107 Millionen Beschäftigte, davon 1,102 Millionen fest angestellt
Maschinebau: 1, 082 Millionen Beschäftigte, davon 1,062 Millionen fest angestellt
Finanzdienstleister: 626 300 Beschäftigte, davon 618 600 fest angestellt
Chemische Industrie: 339 400 Beschäftigte, davon 335 300 fest angestellt
Energieversorgung: 324 500 Beschäftigte, davon 229 900 fest angestellt


Mini- und Soloselbstständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft

Als Mini-Selbständige werden im Rahmen dieses Berichts Unternehmerinnen und Unternehmer bezeichnet, deren jährlicher Umsatz weniger als 17.500 Euro beträgt. In der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft gab es im Jahr 2018 schätzungsweise knapp 340.000 Mini-Selbständige.


Innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft sind aktuell in der Designwirtschaft mit 17,5 Prozent die meisten Mini-Selbständigen anzutreffen (siehe Abbildung 2.8). Weitere 11,6 Prozent aller Mini-Selbständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind im Markt für darstellende Künste aktiv und 11,0 Prozent in der Software- und Games-Industrie. In der Musikwirtschaft sind innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft mit 5,4 Prozent die wenigsten Mini-Selbständigen tätig. (Tabelle Seite 15)

Gemessen an allen Selbständigen (regulär Selbständige und Mini-Selbständige) beträgt in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland der Anteil der Mini-Selbständigen 58,1 Prozent.

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Branchenfokus/Wirtschaft/branchenfokus-kultur-und-kreativwirtschaft.html

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Wirtschaft/monitoringbericht-kultur-und-kreativwirtschaft-2019-kurzfassung.pdf?__blob=publicationFile&v=22

https://www.kultur-kreativ-wirtschaft.de/KUK/Navigation/DE/DieBranche/Uebersicht/uebersicht.html



4. Besucher im Kino (2019)

Laut der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden rund 118,6 Millionen Kinobesucher in Deutschland gezählt.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2194/umfrage/entwicklung-der-anzahl-der-kinobesucher-in-deutschland-seit-1993/



5. Besucher Konzerte, Festivals, Musikevents

In der Spielzeit 2017/2018 gingen mindestens 5,41 Millionen Besucherinnen und Besucher in eine Opernaufführung oder ein klassisches Konzert.

https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/bisschen-weniger-opern-und-konzertbesucher-100.html


Musikveranstaltungen machten im Jahr 2017 über 70 Prozent des Umsatzes am gesamten Musikmarkt in Deutschland aus. Insgesamt lagen die Umsätze mit Livemusik in Deutschland damit bei rund 1,9 Milliarden Euro. Immer beliebter wird auch der Besuch von Musikfestivals. Der Umsatz von Musikfestivals belief sich im Jahr 2017 auf rund 400 Millionen Euro.

https://de.statista.com/themen/668/eventbranche/



6. Besuche im Fußballstadion (Bundesliga)

Laut Transfermarkt (darauf bezieht sich auch Statista) haben in der Saison 2018/19 in der ersten Bundesliga 13 300.905 Zuschauer ein Stadion besucht, in der zweiten Bundesliga 5.852.403 und in der dritten Bundesliga 2 347 944 Zuschauer. Macht zusammen 21 501 252. Das sind weniger als die 34 Millionen (s.o.), die in einem Theater eine Aufführung (Ballett, Konzert, Theaterstück) besucht haben. Und weniger als ein Viertel der Museumsbesuche – selbst wenn man noch die Besucher der Regionalligen dazu nimmt! Dann sind es 23 207 820.


In der Saison 2017/2018 waren es 13 665 118 (1. Bundesliga), 5 390 774 (2. Bundesliga) und 2 349 053 (3. Bundesliga) – sind insgesamt 21,4 Millionen Besucher.

https://www.transfermarkt.de/1-bundesliga/besucherzahlen/wettbewerb/L1/plus/?saison_id=2018

https://www.transfermarkt.de/2-bundesliga/besucherzahlen/wettbewerb/L2/plus/?saison_id=2018

https://www.transfermarkt.de/3-liga/besucherzahlen/wettbewerb/L3